Sammeltaxi der BVG vor dem Aus? Inklusionaktivist will das verhindern

Als Rollstuhlfahrer schnell ein Taxi zu bestellen, ist garnicht so einfach. Bei den “normalen” Taxiunternehmen wird dem Kunden eine Vorbestellung von 2 Wochen empfohlen, da man nicht garantieren kann, dass sofort ein Taxi für den im Rollstuhl sitzenen Fahrgast bereit steht.

Die gewünschte Vorbestellung hängt damit zusammen, dass die Sondefahrdienste für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, dessen Kosten die Krankenkasse übernimmt, nur im Voraus bestellt werden kann.

Das war der normale Vorgang bis Mitte 2018. Durch den Service des Berlkönigs hat sich die Mobilität von vielen Menschen mit eingeschränkter Mobilität sehr verbessert. Die Bestellung des Sammeltaxis erfolgt über die App, und das Taxi ist innerhalb von 30 Minuten vor Ort, um den Fahrgast abzuholen. Die Kosten trägt jeder Fahrgast selber.

Wie es im Moment aussieht, steht das Sammeltaxi der BVG vor dem Aus Ende April. Und das bereitet dem Inklusionsaktivisten Raul Krauthausen  große Sorgen, da für ihn das Angebot nicht nur eine gute Ergänzung zu anderen Sonderfahrdiensten ist, sondern tatsächlich fast die einzige Möglichkeit in der Hauptstadt, spontan und selbstbestimmend von A nach B zu kommen.

Inklusionsaktivist schreibt einen Brief an alle Regierenden

Die Erfahrungen des Inklusionsaktivist Raul Krauthausen  mit dem BVG Sammeltaxi war sehr positive, und hat nur gute Worte für die Fahrerinnen und Fahrer des Berlkönig, die immer sehr hilfsbereit, und motiviert waren. Auch die Begegnung mit anderen Fahrgästen habe er sehr genossen, und die vielen netten Gespräche, die er mit seinen Mitfahrern geführt hat, die von der Barrierefreiheit des Berlkönigs überrascht waren, sind weit über den Smalltalk beim Bäcker hinaus gegangen.

Die Abschaffung der schwarz-gelben Kleinbusse würde einen Rückschritt für Rollstuhlfahrer, und andere Menschen mit eingeschränkter Mobilität bedeuteten. Das ist auch der Grund, warum sich Inklusionsaktivist Raul Krauthausen für die Weiterbestehung des Berlkönigs einsetzt, und einen Brief an den Berliner Bürgermeister, und den Berliner Senat geschickt.

Wenn man von der Perspektive einen Menschen mit eingeschränkter Mobilität ausgeht, dann stellt das Angebot des Berlköngis einen erheblichen Mielenstein in der Verbesserung der Alltagsmobilität innerhalb Berlins da, und wenn man das derzeigtige Teilhabegesetz mit einbezieht, dann würde die Abschaffung des Berlkönigs auch der Inklusion von Menschen mit Behinderungen, und eingeschränkter Mobilität einen tiefen Schlag versetzen. Eine Reaktion zu dem Brief war von Berlins Bürgermeister nicht zu bekommen.

Taxis können keine schweren Elektrorollstühle transportieren.

Im Moment liegt die Wartezeit auf ein rollstuhlgerechtes Fahrzeug vom Berlkönig bei 20 Minuten, doch dieser Dienst beschränkt sich mehr auf den östlichen Teil von Berlin.

Es sieht auch so aus, als ob es gegenwärtig in Berlin nicht genügend barrierefreie Taxi- und Mietwagenoptionen gibt, und das Taxi- und Mietwagengewerbe schließt Fahrgäste, die im Rollstuhl sitzened befördert werden sollen, von der Beförderung aus, und in den meisten Fällen ist das eingesetze Fahrzeug nicht in der Lage, einen schweren Elektorollstuhl zu transportieren.

Es mangelt in Berlin an entsprechenen Taxis mit E-Motor, und aus diesem Grund können Kunden auch keine rollstuhlgerechten Fahrzeuge auf der App von Clevershuttle finden. Die Firma hofft auf schnelle Besserung mit Fahrzeugen, die sowohl barrierefrei, und auch vollelektrisch sind.

Taxiunternehmen nutzen staatliche Zuschüsse nicht

Seit 2018 können Taxiunternehmen bei Staat Zuschüsse für die Anschaffung eines rollstuhlgerechten Fahrzeuges beantragen. Leider wird das Programm nicht voll ausgenutzt, und von den zur Verfügung stehenden 1,5 Millionen Euros wurden nur 4 % ausgezahlt. Für 2020 wurden 825.000 Euro eingeplant, aber bis jetzt kein Taxiunternehmen Zuschüsse beantragt, was aus einer Antwort eines CDU-Abgeordneten in Berlin hervorgeht.

Der Plan des Senats in Berlin ist, rund 250 rollstuhlgerechte Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen, aber dieses Ziel ist nicht einfach umzusetzen.  Es wird auch von dem Berliner Senat begrüßt, dass der Berlkönig des BVG rollstuhlgerechte Fahrzeuge einsetzt, die dem im Rollstuhl sitzenden Fahrgast barrierefrei zur Verfügung stehen. Der Berlkönig wird vom Berliner Senat jedoch nicht als Taxi anerkannt, und als ein Projekt der BVG “abgestempelt”. Und ohne öffentliche Zuschüsse sei dieses Projekt nur als Erprobungsverkehr zugelassen worden.

Die Berliner Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales hat eine neue Regelung des Personenbeförderungsgesetzes für ganz Deutschland gefordert, um klare Vorgabe für Inklusionstaxis zu machen, da ein Konzept für Sonderfahrten, Inklusionstaxis und für weiter Mobilitätsfahrdienst für Berlin gebraucht wird. Und ein Fahrdienst für alle Menschen – mit und ohne Behinderung.

Falls der Berlkönig zum Teil des öffentlichen Nahverkehrs wird, dann muß zum Thema Barrierefreiheit noch sehr viel nachgebessert werden, da der öffentliche Personennahverkehr vollkommen barrierefrei werden, gibt die Verkehrsverwaltung bekannt. Die Mercedes-Vans, die der Berlkönig verwendet, bieten für viele Rollstuhlfahrer eine Möglichkeit, mitzufahren. Die App ist jedoch nicht sehr hilfreich für sehbehinderte Menschen.

Entscheidung zum Berlkönig – 400 Fahrer schreiben an den Berliner Senat – Ungewisse Zukunft

Die Zukunft des Berlkönigs liegt in den Händen des internen Gremiums der Berliner Koalition. 400 Fahrerinnen und Fahrer haben sich mit einem offenen Brief an den Senat gewandt, um für Ihre Arbeitsplätze zu kämpfen. Ein Professor der Technischen Universität Berlin im Fachbereich Verkehrssystemplanung hat davor gewarnt, den Berlkönig aufzugeben, was er als grob fahrlässig bezeichnet, und damit die Zukunft dieser Mobilitätsform in die Hände extener Anbieter legt.

Die Zukunft des Berlkönig ungewiss. Hoffentlich kann eine Lösung gefunden werden kann, um den Berlkönig in Berlin zu erhalten.